Wenn die Hitze bleibt, wandert der Blick nur bis zum Gartenzaun
Oberösterreich · Sommer

Wenn die Hitze bleibt, wandert der Blick nur bis zum Gartenzaun

Linz Oberösterreich Sommer

Es gibt Tage, an denen die Berge warten müssen. Die Luft steht schwer über den Wegen, noch bevor die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat, und jeder Gedanke an Aufstieg verflüchtigt sich irgendwo zwischen Kaffeetasse und Terrassentür. Kein Wandertag also. Nur ein Garten, ein paar Blüten, die die Hitze genauso schwer nehmen wie ich – und eine Kamera, die keine Höhenmeter braucht, um etwas zu finden.

Also blieb ich, wo der Schatten am längsten liegt, zwischen Hortensien und Schmetterlingsflieder, und ließ die Kamera das tun, was sie am liebsten tut, wenn ich sie lasse: sich bewegen. Kein Stativ, keine Ruhe – ein bewusstes Verwackeln, ein Ziehen der Blende durch das Grün, bis aus scharfen Blütenblättern weiche Striche werden, aus Farben Licht. Es ist eine kleine Rebellion gegen die Schärfe, die sonst alles will: jedes Staubblatt, jede Ader im Blatt. An solchen Tagen reicht mir die Andeutung.

Manchmal muss man dem Bild erlauben, unscharf zu sein, damit das Gefühl scharf bleibt.

Der Schmetterlingsflieder trug es mit Fassung. Seine violetten Dolden ließen sich gerne verwischen, verwandelten sich unter der Bewegung in etwas, das eher an ein Aquarell erinnert als an eine Blüte – kleine rote Kelche, die im Fließen fast zu leuchten begannen.

Bei den Hortensien war es anders. Sie stehen ohnehin schon zwischen den Jahreszeiten – nicht mehr ganz weiß, noch nicht ganz vergangen, mit diesem müden Beige, das der Spätsommer allem verleiht, was zu lange in der Sonne stand. Ich habe sie nicht bekämpft, dieses Verblassen. Ich habe es eingefärbt, verstärkt, in Photoshop dorthin geführt, wo die Blüten ohnehin schon selbst hinwollten: in ein Licht, das nach Erinnerung aussieht, bevor die Erinnerung überhaupt fertig ist.

Kein Rechner hat mir dabei zugeschaut. Keine Maschine hat vorgeschlagen, welches Rosa zum welchen Grün passt. Nur die Fuji, die schon oft genug mit mir durch Wälder gestolpert ist, um zu wissen, wann sie loslassen darf – und ich, mit der Maus in der Hand, dem alten, geduldigen Werkzeug, das schon meine ersten unsicheren Bilder mitgetragen hat. An Tagen wie diesen ist das genug. Kein Berg, kein Weg, keine Kilometer. Nur ein Garten, der sich nicht wehrt, wenn man ihn ein bisschen verwischt.