Wieder oben
Salzkammergut · Sommer

Wieder oben

Kleiner Sonnstein Salzkammergut Sommer
Ein Gipfel, ein Morgen, ein Puls, der sich erinnert

Sechs Uhr, und der Wald ist noch nicht ganz wach. Nach den vielen Stufen die gleich zu Beginn des kleinen Sonnsteins eine Herausforderung sind, geht es dann doch eine zeitlang durch den Wald. Der Pfad steigt an, zwischen Buchen, die das erste Licht wie ein Sieb durchlassen – fein zerteilt, tanzend, nirgends ganz zu fassen. Ich bin allein unterwegs, und die Stille hat an solchen Morgen ein eigenes Gewicht. Sie drückt nicht, sie trägt.

Der Pfad hinauf, kurz nach sechs. Die Sonne noch tief, das Laub schon wach.

Es ist lange her, dass ich zuletzt einen Gipfel gesucht habe. Jahre, um genau zu sein. Die Ebene hat mich lange gehalten – aus guten Gründen, aus stillen. Aber heute wollte ich hinauf. Fünfhundert Höhenmeter, eine Stunde vierzig im Aufstieg, und mit jedem Schritt näher an etwas, das ich beinahe vergessen hatte: wie anders sich die Welt von oben anfühlt. Nicht kleiner. Klarer.

Der Adrenalinspiegel war ganz schön hoch – nicht aus Angst, sondern weil der Körper sich erinnerte, wozu er fähig ist.

Oben dann der See, tief unten liegend wie hingegossenes Blau, gerahmt von Felsen, die keine Eile kennen. Der Traunstein gegenüber stand einfach da, seit jeher, unbeeindruckt davon, dass ich ihn zum ersten Mal seit Jahren wieder von hier aus sah. Manche Orte warten. Man muss nur wiederkommen.

Von oben: der See, die Berge, die Stille nach dem Aufstieg.
Wolkenschatten über dem Tal – ein Licht, das sich nicht wiederholt.

Ich bin lange gesessen, dort oben, ganz allein, und habe nichts weiter getan als hinzuschauen. Kein Gedanke drängte, keiner musste zu Ende gedacht werden. Nur das Herz, das nach dem Aufstieg noch schlug wie ein Nachhall.


Licht, das sich im Wasser fängt, zwischen Schluchten, die es kaum durchlassen.

Der Abstieg war kürzer, eine Stunde zwanzig, aber langsamer im Gefühl. Man geht anders hinunter, wenn man oben etwas zurückgelassen hat – Zweifel vielleicht, oder einfach die Frage, ob man es noch kann. Die Antwort lag bereits hinter mir, im Gipfelkreuz, im Wind, im Blick auf den See.

Der Weg zurück ins Tal, und vor mir mein Ziel der Traunstein, irgendwann ……