Mit dem Zug nach Ardning, vom Bahnhof zu Fuß ins Moor — die Schwertlilien standen im Tau, dazwischen ein Meer aus weißen Narzissen. Ich konnte mich gar nicht satt sehen.
Mit der Bahn ins Moor
Eines der schönen Geheimnisse: Das Hochmoor bei Ardning ist mit den Öffis ganz hervorragend zu erreichen. Zug bis Ardning-Sankt-Lorenzen, ein paar Minuten zu Fuß durch den Ort, und schon steht man am Holzsteg, der ins Moor führt. Kein Auto, kein Parkplatzsuchen — direkt von der Bahnsteigkante ins Naturschutzgebiet.
Als ich angekommen bin, lag noch der Morgentau in den Halmen. Über den Bergen zogen schwere Wolken, dazwischen brach immer wieder Sonne durch. Eines dieser Wetter, das nicht weiß, was es will — und dafür alle Stimmungen in einer Stunde durchspielt.

Die Sibirische Schwertlilie
Iris sibirica
Es ist dieses Blau, das einen festhält — tief, fast tintenartig, und unter den Tautropfen wie poliert. Dazu die gelb-braun gestreiften Adern an den Hängeblättern, die ich beim Fotografieren erst richtig gesehen habe.
Im Moor steht sie verstreut, einzeln, zwischen den Narzissen. Geschützt, selten, ein Glücksfall, dass man sie hier noch in größerer Zahl findet.
Drei Stunden durch das Moor, und ich konnte mich nicht satt sehen.
Der heimliche Star des Fotos
Irgendwo zwischen all dieser Schönheit sitzt er – grün, klein, völlig unbeeindruckt. Der Heuhüpfer (auch Grashüpfer genannt) ist ein Meister der Tarnung. Auf dem grünen Stängel wäre er unsichtbar. Aber nein – er musste unbedingt die Blüte erklimmen. Vielleicht wollte er auch einfach mal ins Rampenlicht. Kannst du ihn finden?



Wo der Blick hängen bleibt
Drei Stunden bin ich auf den Stegen und schmalen Pfaden gegangen, immer wieder kehrt gemacht, wo etwas Schönes war. Wer hier durchhetzt, sieht das halbe Moor nicht — das andere halbe ist klein, kniehoch, unter den Halmen versteckt.
Die Pusteblumen zum Beispiel: jede ein eigener kleiner Stern, dazwischen Tautropfen wie Glasperlen. Ich bin in die Hocke gegangen, dann auf die Knie, dann ganz flach auf den hölzernen Steg, bis das Stativ kaum noch zu gebrauchen war. Egal. Manchmal muss man dem Bild entgegenkommen.

Die Narzissen waren das, was die Wiese trägt. Tausende, von weitem ein Schimmer wie weißer Reif. Aus der Nähe dann: jede Blüte ein eigenes Gesicht, mit dem feinen orangenen Ring um den Mittelpunkt, der den Dichternarzissen ihren Namen gibt.
Auf der Heimfahrt im Zug habe ich an meinen lieben Alois gedacht — es hätte ihm auch gefallen. Wie der Wind durch die Wiese gegangen ist und alles ganz leise mitgewogen hat.
Kamera: Fujifilm X-T4 · Objektive: 18-120 mm f/4, Macro 80 mm f/2.8
Stativ: Rollei Rock Solid (selten kniehoch, oft am Boden)
Anreise: Zug bis Ardning-Sankt-Lorenzen, dann 10 Minuten zu Fuß
Wetter: 13–17 °C, wechselnd bewölkt, hin und wieder Schauer
Dauer: 3 Stunden im Moor · 21. Mai 2026
Lehre des Tages: Mit den Öffis kommt man weiter, als man denkt.

