Ein Tag, ein Rucksack, ein Zugticket. Über Krems und Göttweig nach Rossatz, eine kurze Wanderung mit Donaublick — und ein kleiner Heimreise-Plan, der dann doch ganz anders kam. Aber dazu später.



Zugfahrt mit Vorfreude
Es ist eines dieser Vorhaben, das man wochenlang vor sich herschiebt und dann an einem schönen Dienstag spontan macht: ein Tag in der Wachau, mit dem Zug. Bahnhof in der Früh, Kaffee mit, Umsteigen in Krems. Dann an Göttweig vorbei, das Stift schon von der Bahn aus zu sehen — eine helle Burg hoch über den Feldern. „Auf dem Heimweg gehe ich da rauf“, habe ich gedacht. Hätte ich.
In Rossatz ausgestiegen. Die Sonne stand schon hoch, der Himmel war so blau, wie er Anfang April nur sein kann. Und Dürnstein auf der anderen Seite der Donau, mit der blauen Kirche, die man auf jedem Wachau-Foto sieht — wirklich, einmal selber gesehen, hört das nicht auf zu wirken.
Die Marillen waren fast schon verblüht. Ein paar Tage zu spät — und doch genau richtig.
Eine kurze Wanderung
Von Rossatz bin ich ein Stück die Hügel hinauf, zwischen Weingärten, an einem kleinen Pfad entlang, der zu einem Aussichtspunkt führt. Nicht weit, eine knappe Stunde Gehzeit, aber die Sorte Aussicht, für die man weite Wege fährt: die Donau in einem sanften Bogen, dahinter Dürnstein, dahinter die Hügel — und weiter, ganz hinten, das Stift Göttweig.
Die Marillenbäume hatten ihre große Show schon hinter sich. Nur an wenigen, geschützten Stellen hingen noch Blüten — diese hellen, fast durchsichtigen Knäuel. Dafür standen die Kirschbäume umso eindrucksvoller. Und die Schlüsselblumen am Wegrand, gelb wie Butter, ganz unbeeindruckt von meinen Marillen-Plänen.
Göttweig — nicht heute
Auf dem Rückweg wollte ich noch in Göttweig aussteigen und hinauf zum Stift gehen. Eigentlich. Aber irgendwo zwischen Bahnhof und Berg habe ich falsch abgebogen — und stand plötzlich auf einer ausgewiesenen E-Bike-Strecke, die in die falsche Richtung führte. Steil, schmal, mit Schotter. Zum Umkehren zu weit, zum Weitergehen zu spät am Tag.
Also bin ich die Strecke abgestiegen. Drei Kilometer gegen die offizielle Fahrtrichtung, zwischendurch ein paar verdutzte Radler, die mich höflich umkurvt haben. Unten dann doch wieder am Bahnhof — und das Stift Göttweig habe ich erst beim Wegfahren aus dem Zugfenster gesehen, wie zum Trost. „Beim nächsten Mal“, habe ich gemurmelt. Wie immer.
Kamera: Fujifilm X-T4 · Objektive: 16–80 mm f/4,
Anreise: Zug über Krems → Göttweig → Rossatz
Wanderung: ca. 1 Stunde, 120 hm, Aussichtspunkt oberhalb Rossatz
Wetter: sonnig, 16–19 °C, leichter Wind aus Westen
Marillen-Status: fast schon verblüht — zwei, drei Tage zu spät
Lehre des Tages: E-Bike-Wege sind keine Fußwege.