Schon die Anreise erzählte die Geschichte, bevor ich auch nur einen Schritt in die Klamm gesetzt hatte. Mit dem Zug, dann mit dem Bus, ein kurzes Stück über das kleine deutsche Eck – jene schmale Ecke, an der Bayern und Salzburger Land sich für ein paar Kilometer die Hand reichen. Wiesen, die noch im Morgenlicht lagen, Hügel, die sich langsam zu Felswänden auftürmten. Ich saß am Fenster und wusste: das hier wird kein Weg, den man einfach nur zurücklegt.
Ich war früh unterwegs. Die Seisenbergklamm empfing mich fast menschenleer – nur das Wasser war schon wach, es rauschte, als hätte es die ganze Nacht auf niemanden gewartet. Zwischen den Felswänden, die sich manchmal so eng zusammenschieben, dass kaum mehr Licht hindurchfällt, hatte ich die schmalen Stege für mich allein. Diese Stille hält nicht lange – das wusste ich, und so ließ ich mir Zeit, während noch Zeit war.

Zwischen den Steinen sucht sich das Wasser immer wieder einen neuen Weg.
Es dauerte nicht lange, bis sich das änderte. Stimmen, Schritte auf Holzstegen, Familien mit Kindern, die aufgeregt auf das tosende Wasser zeigten. Die Ruhe der ersten Stunde war vorbei, aber ich hatte längst verstanden, warum dieser Ort so viele anzieht. Man muss kein geübter Wanderer sein, um hier zu staunen – die Wege sind gut angelegt, die Stege sicher, und selbst die Kleinsten blieben stehen, wo das Wasser am lautesten war. Eine Klamm, die einlädt, statt abzuschrecken.

Manche Orte muss man früh besuchen, nicht um ihnen zu entkommen, sondern um sie einmal ohne Publikum sprechen zu hören.
Trotz des wachsenden Trubels gelangen mir einige Aufnahmen, die ich mir erhofft hatte – jene Sekundenbruchteile, in denen Licht, Wasser und Stein für einen Moment zusammenfinden. Die Fujifilm blieb geduldig an den schwierigsten Stellen, dort, wo das Licht durch die enge Schlucht nur tröpfchenweise hereinfiel.
Die Seisenbergklamm ist einer dieser Orte, die einen daran erinnern, wie viel Kraft in beständiger Bewegung liegt. Kein lauter Auftritt, kein einzelner spektakulärer Wasserfall – sondern ein ganzes System aus Kaskaden, Becken und schmalen Durchgängen, das sich über die Jahrtausende in den Fels gegraben hat. Beeindruckend war sie, das lässt sich kaum anders sagen. Und zugleich so zugänglich, dass ich mir vorstellen kann, wie viele Familien hier ihre ersten gemeinsamen Klammerlebnisse sammeln.
Kurz & bündig
Wo: Seisenbergklamm bei Weißbach bei Lofer, Salzburger Land
Anreise: Zug und Bus, kurz über das kleine deutsche Eck – bereits die Fahrt lohnt sich
Beste Zeit für Fotografie: früh am Morgen, solange die Klamm noch ruhig ist
Für wen: gut angelegte Stege, auch für Familien mit Kindern geeignet
Kamera: Fujifilm xt4, Stativ, Objektiv 18-120 f4, div. Filter




